Wir beurteilen die Menschen nicht wie sie sind, sondern wie wir sind.

Echtes Vertrauen stellt keine Bedingungen

 

Vertrauen 
                                        Malerin Tina Umlauf

An unsere Eltern!


Was Jugendliche und junge Erwachsenen mit 
NSSV-Erfahrung denken                                                                      

Nicht  Suizidales Selbstverletzendes Verhalten 

  1. Ich sehe, dass du dir Mühe gibst, eine gute Mutter, ein guter Vater zu sein. Bitte sei dabei echt!
  2. Dein Vertrauen brauche ich dann am meisten, wenn es dir am schwersten fällt.
  3. Du kannst mich nicht mehr erziehen. Höre damit auf! Jetzt muss ich meine eigenen Erfahrungen machen.
  4. Meine Schwächen sind mir bewusst, bitte unterstütze meine Stärken.
  5. Mir sind echte(authentische) Gespräche wichtig. Ich wünsche mir, dass du mich wirklich verstehst.
  6. Du wünschst mir nichts mehr, als dass ich meinen Weg gehe? Bitte akzeptiere, das tue ich bereits.
  7. Auch wenn du das nicht verstehen kannst, gehe davon aus, dass ich mit dem was mir im Augenblick möglich ist, das Beste versuche.
  8. Mein seelischer Schmerz ist tausendmal schlimmer als jede körperliche Verletzung.
  9. Wenn ich mich selbst verletze ist das meine Sprache. Diese Aktion drückt aus, wie ich mich fühle.
  10. Ich würde anders handeln, wenn ich eine wirksamere Lösung wüsste.
  11. Wenn ich wirklich sicher sein könnte, dass du weißt was ich brauche, würde ich Hilfe annehmen.
  12. Meine Narben gehören zu mir. Sie sind ein wichtiger Teil meiner Lebensgeschichte. Bedenke: Ich sehe auch deine Falten, deine grauen Haare und liebe dich so wie du bist.

©    Praxis  Bärbel Jung Kassel 11/2017

Mein Dank an Laura, Leilani, Sophie, Jasmin, den Expertinnen in eigener Sache, für die kritische Durchsicht der Gedanken.                                                                   

Der Text ist Teil des 2018 erscheinenden Bandes: Bärbel Jung: Vom Chaos zur Klarheit. Praxistipps für Achterbahnfamilien

Schmerzen gegen die Schmerzen / Nichtsuizidales Selbstverletzendes Verhalten (NSSV)

Selbstverletzendes Verhalten ist gleichbedeutend mit einer funktionell motivierten Verletzung oder Beschädigung des eigenen Körpers, die in direkter und offener Form geschieht, sozial nicht akzeptiert ist und nicht mit suizidalen Absichten einhergeht.

Piercings oder Tätowierungen werden ebenso wie indirekte Verletzungen durch Substanzmissbrauch oder Essstörungen nicht als NSSV im eigentlichen Sinne verstanden. Ebenso wird Selbstverletzendes Verhalten im Rahmen geistiger Behinderung  oder Entwicklungsstörungen nicht als NSSV verstanden. 

Es ist ein Phänomen, welches im klinischen Alttag häufig auftritt. Nichtsuizidales Selbstverletzendes Verhalten (NSSV) ist  keine Neuerscheinung, sondern wurde bereits in verschiedenen Religionen und Kulturen vor über 2000 Jahren beschrieben. /

Charakteristisch bei Jugendlichen mit NSSV sind vor allem Schwierigkeiten in der Emotionsregulation.  Betroffene Jugendliche verfügen oft über keine anderen Möglichkeiten um ihre belastende Emotionen zu regulieren als sich selbst zu verletzen. Von NSSV sind überwiegend Jugendliche ab 14 Jahren betroffen. Zunehmend auch jüngere Kinder unter 12 Jahren. 

Dieses Verhalten ist oft mit großem Leid der Betroffenen und deren Familien verbunden.  Ein entstelltes Äußeres mit Narben, lebensbedrohlichen Verletzungen oder Infektionen sowie starke Schamgefühle gehören zu den negativen Kosequenzen  Selbstverletzenden Verhaltens.

Oftmals entwickeln sich  diese Verhaltensweisen im Kontext von stark belastenden Konflikten im sozialen Umfeld (Familie, Schule, Freunde) des  betroffenen Kindes oder des Jugendlichen. Oder die Konflikte entstehen spätestens mit Auftreten von NSSV und weiteren Begleitsymptomatiken.


Neue Fertigkeiten im Umgang mit extremen Gefühlen und Emotionen lernen

                                                                                                                                                                          

Eltern

können im Chaos zwischen Hilflosigkeit und Verantwortung Klarheit und Orientierung finden.
Sie können lernen wieder handlungsfähig zu werden und für ihrem Jugendlichen oder jungen Erwachsenen
ein hilfreicher Begleiter durch schwere Zeiten zu sein.

Pädagogische und soziale Systeme

sollten Verständnis für NSSV entwickeln, Abgrenzung zu suizidalem Verhalten einschätzen lernen.
Einen einheitlichen Umgang mit NSSV in der Schule dezidiert regeln.  

Bärbel Jung, Kassel, geschulte Multiplikatorin bei NSSV/ Dr. med. Paul Plener, Ulm

Warum machen die das?

Warum machen die das?
Eine erste Antwort geben uns die sieben Funktionen der Nicht suizidalen Selbstverletzung nach Klonsky (2007):
Warum machen die das?
  1. Affektregulation NSSV, zur Erleichterung einer akut negativen Affektlage oder Spannungsreduktion
  2. Selbstbestrafung NSSV, um sich selbst abzuwerten oder Wut gegen sich selbst auszudrücken
  3. Interpersonelle Beeinflussung NSSV, um andere zu manipulieren oder bei anderen Hilfe zu suche
  4. Interpersonelle Beziehungen NSSV, um seine Autonomie zu behaupten und sich gegenüber anderen abzugrenze
  5. Anti - Dissoziation NSSV, um dissoziatives Erleben oder Depersonalisationen ( die eigene Person als verändert, fremd, nicht zu-sich-gehörig, leblos, fern oder unwirklich erleben) zu beenden
  6. Anti - Suizid NSVV, um einen suizidalen Impuls zu vermeiden oder zu ersetzen
  7. Sensation seeking Abwechslung und neue Erlebnisse suchen, um immer wieder Spannungsreize erleben. NSSV, um Aufregung zu schaffen oder sich selbst aufzuheitern.
NSSV kann also durchaus als eine Art paradoxe Selbstfürsorge gesehen werden, die kurzfristig zu einer Linderung des Leidens und einer Stabilisierung der Stimmung führt, jedoch auf lange Sicht das Problem im Sinne eines Teufelskreises verstärkt.

Praxis Bärbel Jung

Friedrich-Ebert-Straße 48 
34117 Kassel

Telefon: 0561 570 598 30
E-Mail: praxis(at)baerbeljung.de

Über mich

Mein Name ist Bärbel Jung, ich lebe und arbeite in Kassel. 

Ich bin Mutter von 5 Kindern und arbeite in meiner freien Praxis als systemische Beraterin, systemischer Elterncoach, familylab-Seminarleiterin, Mediatorin, GFK-Kommunikationstrainerin, Angst-, Stress-Coach.
Ich bin Vorsitzende des BTK e.V. BorderlineTrialog Kassel e.V  und MG der DGPE Deutsche Gesellschaft für Psychoedukation/München